25. Jänner
Fest der Berufung des Apostels Paulus

In der Pfarre St. Paul sind wir stolz darauf, Paulus als Kirchenpatron zu haben, weil sich durch ihn das Christentum entscheidend entwickelt hat und zu einer weltweiten Glaubensgemeinschaft wurde.

Die 7 Paulusbriefe

* sind die ältesten Texte des Christentums überhaupt und damit älter als die Evangelien und die Apostelgeschichte.

* ermöglichen uns Einblick in sein Leben, seine Missionsarbeit und sein theologisches Denken.

* ermöglichen uns Einblick in die von ihm gegründeten Gemeinden: Organisationsstrukturen, Beziehung zum Gemeindegründer, Glaubensfragen ...

Wer sich im Gottesdienst beim Hören und Verstehen einer Lesung, die aus den Paulusbriefen genommen ist, schwer tut, ist in guter Gesellschaft! Schon wenige Jahrzehnte nach Paulus hieß es im 2. Petrusbrief (3,16), dass "in den Briefen unseres geliebten Bruders Paulus manches schwer zu verstehen ist."

Biographische Daten von Saulus Paulus:
geboren zwischen 8 und 12 n. Chr. in Tarsus
etwa 34 n. Chr. Berufung des Paulus
Missionsreisen, Gemeindegründungen
56 n. Chr. letzter Jerusalembesuch und Verhaftung
59 n. Chr. Ankunft in Rom
etwa 62 n. Chr. Tod des Paulus, wahrscheinlich Hinrichtung unter Kaiser Nero

Woher kommt Paulus?

Aufgewachsen ist er in Tarsus, das war damals die Hauptstadt der römischen Provinz Zilizien (heute Türkei). Er war Jude und wurde im jüdischen Glauben erzogen, geprägt wurde er aber auch durch das hellenistische städtische Milieu. Darauf weisen auch seine beiden Namen Saul (jüdisch) und Paulus (griechisch-römisch) hin.

Im Brief an die Gemeinde in Philippi, Kapitel 3, Vers 5 schreibt er, dass er am achten Tag beschnitten worden ist und dass er ein Hebräer von Hebräern ist. Auf Grund dieser Notiz vermutet man, dass die Familie des Paulus Wurzeln in Palästina gehabt habe.

Als junger Mann kam Paulus nach Jerusalem. Dort absolvierte er ein Torastudium nach der pharisäischen Richtung.

Seinem pharisäischen Gesetzesverständnis entsprechend fühlte er sich verpflichtet, gegen Auffassungen aufzutreten, die dem Gesetz widersprechen. Seinen aggressiven Eifer gegen Abweichungen formuliert er sowohl in Gal 1,13b und Phil 3,6.

Paulus und die Verfolgung der JesusanhängerInnen

Paulus war so in seinem Glauben verwurzelt, dass er diesen vor Abweichungen schützen wollte. Die christlichen Gemeinden bestanden am Beginn zum Großteil aus Juden und Jüdinnen, die ihr jüdisches Glaubensleben lebten und an Jesus als Messias glaubten. Sie gingen einen Weg, der für Paulus nicht akzeptabel war. Deshalb fühlte er sich verpflichtet, die JesusanhängerInnen zur Ordnung zu rufen.

Die Berufung des Paulus

Unterwegs nach Damaskus, um die dortige Gemeinde auf den rechten Weg zurückzuführen, erlebte Paulus eine Berührung und Begegnung mit dem auferstandenen Christus. Gott hat ihm seinen Sohn geoffenbart (siehe Gal 1,15f). Jesu Tod am Kreuz ist kein Fluch, wie früher der Kreuzestod eingeschätzt wurde, sondern führt zum Heil.

Das hat Paulus in eine tiefe Krise gestürzt. Es war aber auch der Beginn, seinen Glauben und sein ganzes Leben auf eine neue Basis zu stellen. In Phil 3,8 schreibt er, dass alles Bisherige wie Unrat ist, denn er hat nun Christus gewonnen.

Der gewöhnlich verwendete Ausdruck "Bekehrung des Paulus" ist irreführend, denn Paulus war ein zutiefst Glaubender, auch vorher. Was allgemein als Damaskuserlebnis bezeichnet wird, ist Berufung, Neuorientierung und Sendung.

Von da an weiß sich Paulus berufen, den Menschen den Glauben an Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen zu verkünden. Dabei ließ er sich weder von sozialen, noch kulturellen, noch religiösen Grenzen aufhalten. Die Erfahrung, dass Gott ihm seinen Sohn geoffenbart hat, verbindet er von Anfang an (Gal 1,16) mit einem innerlich gefühlten Auftrag: Er ist von Gott gesendet, den Menschen in der damals erreichbaren Welt, also den Menschen "aus den Völkern", Christus zu verkündigen. Darum trägt er zu Recht den Namen Völkerapostel.

Judenchristen und Christen "aus den Völkern"

Zunächst ist Paulus einige Jahre bewusst auf sich gestellt geblieben. Dann aber hat ihn Barnabas nach Antiochia geholt. Dort gab es eine Gemeinde, deren Mitglieder hauptsächlich dem hellenistischen Judenchristentum angehörten. Vermutlich tauften sie schon bald Menschen aus den Völkern - ohne Vorbedingung der Bekehrung zum Judentum. Sie hielten auch Tischgemeinschaft zwischen Judenchristen und Christen, die nicht beschnitten waren. Speisevorschriften und Beschneidung trennen nicht mehr. Der gemeinsame Glaube an Jesus Christus steht über allem, was trennt. Aber nach etwa 10 Jahren kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung.

Konflikt in Antiochia

Paulus erzählt den Konflikt in seinem Brief an die Gemeinden in Galatien, im Kapitel 2, Verse 11-21. Judenchristen rund um den Herrenbruder Jakobus waren nach Antiochia gekommen. Für sie war es unerträglich, dass Beschnittene und Unbeschnittene eine Tischgemeinschaft pflegten. Wichtige Gemeindemitglieder machten auf einmal bei der Trennung mit. Sogar Petrus, der sich vor dem Besuch der Leute rund um den Herrenbruder selbstverständlich den gemeinsamen Mahlzeiten angeschlossen hatte, zog sich daraus zurück.

Den Zorn des Paulus spürt man in Gal 2,11-14. Er hat den Konflikt mit Petrus offen ausgetragen. Für Paulus gibt es in dieser Frage keinen Kompromiss. Ausschließlich das Kreuz Christi schenkt Heil.

Paulus trennt sich von der Gemeinde. Er beginnt seine eigene Missionstätigkeit. In den Städten Kleinasiens und Griechenlands verkündet er das Evangelium unter den Menschen aus den Völkern ohne Vorbedingung der Beschneidung und der Einhaltung der Gesetze. Ein Leitwort ist "Zur Freiheit hat uns Christus befreit ..." (Gal 5,1f.) und Gal 5,13: "Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern."

Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch handwerkliche Arbeit, als Hersteller von Sonnensegeln und Markisen. Er machte sich dadurch von den Gemeinden finanziell unabhängig.

Paulus und das Urchristentum

Die Mission des Paulus und seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen war erfolgreich. Damit veränderte sich das sogenannte Urchristentum. Zu den vorrangig judenchristlich geprägten Gemeinden kamen nun eine Mehrzahl hellenistisch geprägter Gemeinden dazu. Ihre Mitglieder standen nicht in der jüdischen Tradition, was die Speisegesetze und die Beschneidung betraf. Die Christen wurden von einer kleinen innerjüdischen Gruppierung zu einer eigenständigen religiösen Bewegung und bald auch als solche von ihrer Umwelt wahrgenommen.

Der Preis war der Kampf um die Anerkennung der religiösen Wurzel. Paulus verwendet das Bild vom Ölbaum und schreibt: "Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich." (Röm 11,18). Paulus setzt sich dafür ein, dass den Judenchristen der nötige Respekt entgegengebracht wird, denn von den nicht jüdisch-stämmigen Christen wurde oft die jüdische Praxis als fremd und sonderbar erlebt.

Im Lauf der Jahrhunderte ist der gegenseitige Respekt derer, die ihre jüdischen Wurzeln leben und derer, die sich davon abgegrenzt haben, verloren gegangen. Erst vor wenigen Jahrzehnten haben die christlichen Kirchen begonnen, die jüdischen Wurzeln des Christentums anzuerkennen. Der Tag des Judentums, der heuer am 17. Jänner zum 21. Mal begangen wurde, bringt uns das immer neu zu Bewusstsein.

Die sieben echten Paulusbriefe

Die "echten" Paulusbriefe,
in der vermuteten Reihenfolgeihrer Entstehung zwischen 50 und 60 n. Chr.:
(nach Univ. Prof. Marlies Gielen)
1. Thessalonicherbrief
1. Korintherbrief
2. Korintherbrief
Galaterbrief
Römerbrief
Philemonbrief
Philipperbrief

Verwendete Literatur:

Univ. Prof. Marlis Gielen, Paulus - Theologe und Seelsorger. Leben und Werk. Vorträge in St. Paul in den Jahren 2004 und 2009 und in Freising am 24. und 25.1.2008

Fotos

Die drei Fotos zeigen Details der Mosaiken an den Wänden der Cappella Palatina, der Palastkapelle in Palermo, Sizilien. Die Cappella Palatina wurde 1132 bis 1140 n. Chr. unter König Roger II. im normannisch-arabisch-byzantinischen Stil als Hofkapelle des Palazzo dei Normanni von Palermo errichtet.

In dieser großartig ausgeschmückten Kapelle sind zwei Stilrichtungen auf kunstvolle Weise miteinander verbunden: Der byzantinische bzw. oströmische Stil und der lateinische bzw. weströmische. Die beiden Stile entsprechen den beiden Riten, die hier aufeinander trafen und miteinander verbunden wurden, und die engen Verflechtungen der Entstehungszeit verdeutlichen. Dazu kommen außerdem noch Einflüsse aus der arabischen Kunst.

1. Detail des Mosaiks "Taufe des Paulus durch Hananias". Links auf dem Mosaik steht ein Taufdiener mit einer langen, dünnen Taufkerze. In der Mitte Hananias, der Paulus die rechte Hand auf den Kopf legt, die linke geöffnet nach oben hält. Rechts ist Paulus in einem kelchartigen Taufbecken mit kostbaren Verzierungen. Er sitzt im Taufwasser, seine Hände sind geöffnet. Nicht mehr im Bild ist die Hand Gottes, von der ein Lichtstrahl auf Paulus niedergeht, und zwar in sein linkes Ohr hineingeht. Der Heilige Geist in Gestalt einer kleinen Taube schwebt auf dem Lichtstrahl hernieder. Links im Hintergrund ist ein Haus mit offener Tür, hinter Paulus ein Baldachin mit einer Kuppel.

2. Detail des Mosaiks "Flucht des Apostels Paulus aus Damaskus". Die Apostelgeschichte des Lukas erzählt, dass Paulus aus Damaskus flüchten musste und von seinen Schülern in einem Korb außen an der Stadtmauer hinuntergelassen wurde (Apg 9,25). Der Ausschnitt lässt links noch einen bewaffneten Soldaten erkennen, der das Stadttor bewacht. In der Mitte hockt Paulus geduckt in einem Korb, durch die Henkel des Korbes sind zwei Stricke gezogen. Die Darstellung des Paulus ist typisch: eine hohe, kahle Stirn mit einem kleinen Haarschopferl vorn in der Mitte. Die restlichen Haare gehen in den dunklen Bart über. Der Gesichtsausdruck des Paulus sehr präzis und sprechend ausgeführt, er schaut eher bekümmert aus.

3. Detail des Mosaiks "Petrus und Paulus treffen einander in Rom". Die beiden für die frühe Christenheit prominenten und entscheidenden Persönlichkeiten umarmen einander. Die typische Darstellung des Paulus ist auch hier wie bei Foto Nr. 2 beschrieben. An der Haar- und Bartfarbe des Paulus wird kenntlich gemacht, dass er der jüngere der beiden ist. Petrus hat vergleichsweise üppige, gelockte Haare, die ebenso wie sein Bart weiß sind. Die Inschrift, von der man auf dem gewählten Ausschnitt nur drei Worte sieht, besagt: Als Paulus in Rom eintraf, kam ihm Petrus mit einigen Christen am Forum des Appius und Tres Tabernae entgegen. Als Paulus diese sah, dankte er Gott. Und er gewann Vertrauen (siehe Apg 28,15).

stpaul.at/UiY
Auf Twitter teilenAuf Facebook teilen