Erscheinung des Herrn, 6. Jänner 2021

Jedes Jahr am Fest der Erscheinung des Herrn, im Volksmund "Dreikönigstag" genannt, wird im Gottesdienst der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium mit den Magiern aus dem Osten vorgelesen (Mt 2,1-12). Dieses Kapitel gehört zum Proömium dieses Evangeliums, in dem der Evangelist wie in einer Ouvertüre die wichtigsten Themen seines Werkes anklingen lässt und ein Glaubensbekenntnis darüber ablegt, wer der Christus für ihn und seine Gemeinden ist.

Magier aus dem Osten kommen. Unter "Magier" verstand man im Altertum Menschen, die in der Astronomie und in der Astrologie bewandert waren, meistens sogar Priester. Sie stehen für sensible Menschen, die die Stimmen sowohl ihrer Seele als auch des Kosmos zu entziffern vermögen. Sie zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie die verschiedenen Stimmen unterscheiden können, betrügerische, manipulierende und täuschende von guten Stimmen, die dem Leben dienen und es weiterführen. Die Magier sind Vorbild für eine ganz persönliche Gottsuche und ein Symbol für ein Fenster in die Welt.

Mit den Magiern aus dem Osten meint das Matthäus-Evangelium (entstanden um 85 nach Chr.) Menschen aus anderen Kulturen und Religionen, die zu Jesus gefunden haben. Die Zuwendung Gottes gilt allen Menschen ohne Grenzen der Kultur und Religionszugehörigkeit. Diese Verse bilden eine Klammer zum Abschluss des Evangeliums: Den Menschen in aller Welt wird die Frohe Botschaft verkündet.

Es hat schon viele Versuche gegeben, eine Lichterscheinung oder eine Sternenkonstellation zu bestimmen, die im Jahr der Geburt Jesu (7 oder 6 vor Chr.) am Himmel zu sehen gewesen wäre. Der Evangelist Matthäus war nach Meinung vieler Bibelwissenschaftler ein hellenistischer, judenchristlicher Theologe. Er zitiert mit dem Stern das alttestamentliche Buch Numeri, in dem es heißt (24,17): "Ein Stern geht auf in Jakob, ein Zepter erhebt sich in Israel." Damit wird für Glaubende aus der jüdischen Tradition auf den erwarteten messianischen Herrscher aus dem Davidsgeschlecht hingewiesen. Für die Christen ist dieser Stern - dieser ersehnte Messias - Jesus Christus.

Am Höhepunkt der Erzählung berichtet das Evangelium von der Freude der Magier, das Evangelium schreibt: "... sie freuten sich in großer Freude - sehr."

Der Weihnachtsfestkreis geht zu Ende. Der Lockdown und die Sorgen um die immer noch schnellere Verbreitung des Virus leider nicht.

Vielleicht ist es uns möglich, mit offenen Sinnen durch die Welt zu gehen und eine Freude, die uns Tag für Tag geschenkt wird, dankbar anzunehmen.

Ingrid und Peter

Fotos

stpaul.at/vLU
Auf Twitter teilenAuf Facebook teilen