Dritter Sonntag der Osterzeit

Am 3. Sonntag der Osterzeit, 26. April 2020, kann man für den Sonntagsgottesdienst aus zwei Evangelien auswählen: Lukas 24,13-35 und Johannes 14,1-14. Sie sind beide so interessant, dass wir zu beiden Bild und Text schicken.

Lukas 24,13-35

Der stärkste Einwand gegen die Osterbotschaft - so sagen manche - ist die Realität selber. Wenn wir auf die Welt schauen, sehen wir so viel Elend und Leid, wo ist die Auferstehung?

Die christlichen Gemeinden einige Jahrzehnte nach Tod und Auferstehung Jesu waren sicher mit den gleichen Bedenken konfrontiert. Das heutige Emmaus-Evangelium nimmt diese Bedenken auf. Nicht etwas Fertiges ist der Glaube, nicht etwas, was man weiterreichen könnte als fertiges Paket. Nein, auf dem Weg wird die Begegnung mit dem Auferstandenen geschenkt, in der Situation, in der man gerade ist.

2008 haben wir einen Pfarrausflug ins ökumenische Kurseelsorgezentrum "Emmaus" nach Bad Griesbach in Bayern unternommen. Wenn man den Kirchenraum betritt, fällt ein großes Altarwandbild auf (siehe Anhang). Es ist ein abstraktes Gemälde, ungefähr hundert Quadratmeter groß, das in intensiven Farben die Bibelstelle von den Emmaus-Jüngern darstellt. Über dem Altarraum sieht man ein Kreuz, in dessen Rahmen drei Figuren stehen. Der Künstler hat zwei Menschen unserer Zeit dargestellt. Ein dritter zeigt auf einen möglichen Weg, aber man ist sich nicht sicher, ob sie das wahrnehmen. So sehr sind sie in ihr Gespräch - im Evangelium heißt es, in ihr Streiten und in ihren Groll - vertieft. Die Emmaus-Stationen des heutigen Menschen sind ja auch oft so, dass wir in unsere Probleme versunken sind. Manchmal wünschen wir uns den hilfreichen Begleiter, manchmal nehmen wir nicht wahr, dass er sich schon - in der Person Jesu oder in der Beziehung mit Gott oder in der Begleitung durch Menschen, die eine Wegstrecke mit uns gehen - uns zugesellt hat und uns begleitet. Die beiden, die im Rahmen des Kreuzes ihren Weg gehen, gehen ihn auf dem Hintergrund der Farben, die ein Gegeneinander und Ineinander von Licht und Schatten und Spannungen und Harmonie sind. Die beiden Jünger gehen aus der Dunkelheit der Niedergeschlagenheit und Trauer ins Licht von Glauben und Vertrauen.

Es sind Hoffnung und Trost, dass auch uns auf unseren Lebenswegen der auferstandene Christus begleitet und uns zu Heilung aus Gebrochenheit und Niedergeschlagenheit verhilft. Auf dem Altarwandbild setzen sich Licht und Hoffnung durch. Wir Menschen bleiben in unser Leben eingespannt. Manchmal sind unsere Wege voller Leichtigkeit, manchmal überwiegen die dunklen Stunden.

Im Bibeltext heißt es, dass die beiden Menschen, die unterwegs in ihr Heimatdorf waren, ihren Begleiter einladen. Die spannende Wendung ist, dass der Gast zum Gastgeber wird. Er nimmt die Rolle des Hausvaters ein. Auch in unseren christlichen Gemeinden ist Christus der, der zum Mahl einlädt. Er ist es, der das Brot teilt und den Becher mit Wein gibt. Der Auferstandene ist damals wie heute vor den physischen Augen unsichtbar, doch gegenwärtig in neuer Weise.

Eine ähnliche Wendung erzählt auch das Johannesevangelium in seinem Nachtragskapitel Johannes 21,1-14:

Johannes 21,1-14

Eigentlich wäre das Johannesevangelium mit Kapitel 20 schon zu Ende gewesen. Nachträglich hat es jemand noch um ein Kapitel ergänzt. Wir wissen nicht, wer es geschrieben hat, vielleicht jemand aus dem Schülerkreis des Johannes. Es weicht auch von der Gewohnheit des Evangelisten Johannes ab, alle wichtigen Ereignisse um Jesus, auch die Erscheinungen des Auferstandenen, auf Jerusalem zu konzentrieren. Dieses Kapitel berichtet nämlich von einer Erscheinung des Auferstandenen in der Heimat Jesu, am See Genesareth oder See von Tiberias, wie er auch genannt wird.

In manchem erinnert uns die Erzählung an die Emmausgeschichte. Wie bei den Jüngern von Emmaus gibt sich der Auferstandene unerwartet zu erkennen, wie dort geschieht es während eines Mahls.

Die Geschichte beginnt ganz alltäglich und normal. Petrus und einige andere Jünger gehen wieder ihrem Beruf nach. Sie tun es, als hätte es kein Ostern gegeben, als hätte es auch keinen Sendungsauftrag gegeben.

Sieben der Schüler - das weist auf eine Zahl der Vollständigkeit und Vollkommenheit hin - sind nach dem schrecklichen Tod Jesu in ihren Alltag zurückgekehrt. Simon Petrus sagt "Ich gehe fischen." Die Kürze drückt aus, wie karg die Stimmung gewesen sein musste, und welchen Halt die gewohnte harte Fischereiarbeit in der Trauer gegeben hat. "Ich gehe fischen", sagt Petrus, und die anderen sagen: "Wir kommen auch mit dir".

Doch die Fischer fangen die ganze Nacht über nichts. Wir können den Hintersinn dieser Aussage ermessen: Der Alltag ist zäh und hart, Erfolglosigkeit macht sich breit. Nach Stunden ermüdender Arbeit bricht nun langsam das Morgengrauen an. Das ist die Grenze, wo Tag und Nacht einander ablösen, wo auch Bewusstes und Unbewusstes ineinander übergehen, wo Wünsche, aber auch Ängste hochkommen, die nicht an der Oberfläche zu finden sind. In dieser Stimmung ergeht ein sehr entscheidender Auftrag. Wir als Zuhörer wissen, dass es Jesus ist, der den Auftrag gibt. Die Schüler, die sich im Boot auf dem See erfolglos abgemüht haben, wissen es nicht. Zudem ist es für erfahrene Fischer unsinnig, diesem Auftrag zu folgen. Wer wird schon am Morgen etwas fangen, wenn es in der Nacht nicht gelungen ist?

Auf der rechten Seite sollen sie das Wurfnetz auswerfen. Rechts meint die glückbringende Seite, die verheißungsvolle Seite, den überlegten Entschluss, die bewusste und tatkräftige Entscheidung. Wunderbarerweise ist dann das Netz voll. Sofort weiß der Schüler, "den Jesus liebte", dass es Jesus ist, der den Auftrag gegeben hat und dem dieser Segen zu verdanken ist.

Als Jesus in der Morgenfrühe am Strand steht, ahnt man schon, dass es zu einer geheimnisvollen Wiedererkennungsszene kommt. Jesus hat schon einen Fisch auf dem Kohlenfeuer liegen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Fisch als Logo für den christlichen Glauben verwendet wurde. Man hat sogar ein Wortspiel gemacht mit dem griechischen Wort für Fisch: Die griechischen Buchstaben des Wortes "ichthys" ergeben der Reihe nach die Anfangsbuchstaben von Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Es ist geradezu ein Glaubensbekenntnis, das in diesem Wort verpackt ist.

Die Schüler bringen den Fang herbei. Eigenartigerweise wird die Zahl der gefangenen Fische angegeben: 153. Wir wissen leider nicht, welche symbolische Bedeutung diese Zahl hat. Sind es die damals bekannten 153 Völker? Vermutlich soll die Zahl auf die Universalität der Kirche hinweisen, in der die Glaubenden versammelt sind.

Die folgende Mahlszene ist gekennzeichnet von einer eigenartigen, geheimnisvollen Stimmung. Es ist ein Wissen da, um den, der hier der Einladende ist, und doch eine gewisse Scheu. Niemand wagt die Frage nach der Identität des "Fremden" zu stellen, und doch wissen sie, was der geliebte Jünger schon vorher wusste: "Es ist der Herr".

Der Auferstandene ist der Herr des eucharistischen Mahles. Er ist gegenwärtig als der, der immer wieder einlädt und die Gaben schenkt, der sich selbst als Speise schenkt.

Zum Abschluss

Wir sind liturgisch gesehen in der Osterzeit. Ab Mitte Mai wird es die Möglichkeit geben, in unserer Kirche wieder Gottesdienst zu feiern. Die Bedingungen sind: Ausreichender Abstand. Viel Platz (20 m2 pro mitfeiernder Person). Mundschutz, ... vielleicht Gottesdienste im Freien ... Andere genaue Anweisungen werden wir noch bekommen.

Für St. Paul bedeutet das: Inklusive Orgelempore und Werktagskapelle können 22 Menschen die Gottesdienste mitfeiern. Wie wir das lösen werden, darüber werden wir am kommenden Dienstag eine Zoom-PGR-Sitzung abhalten. Wir werden Dich/Sie/Euch über die Ergebnisse der Besprechung und über die Möglichkeiten des gemeinsamen Feierns informieren!

Viele liebe Grüße und eine gute 3. Osterwoche wünschen

Ingrid Leitner
Peter Hausberger

stpaul.at/azi
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