1. Sonntag im Jahreskreis, Fest Taufe des Herrn
Sonntag, 10. Jänner 2021

Ein Grenzsoldat kommt hinter uns her gelaufen, laut rufend. Als er uns erreicht hatte, fragte er, was wir denn da tun. Wir erklären ihm ganz naiv, dass wir den Jordan suchen. Darauf er: "You are fighting for troubles". Es war der 24. September 2000. Wir sind in Jordanien, um eine Pfarrreise nach Jordanien vorzubereiten. Der Ort liegt neun Kilometer nördlich des Toten Meeres. Der Grund für unseren Besuch an diesem Ort war, dass wir von neuen Ausgrabungen erfahren haben. Ein wahrscheinlich historischer Taufort Jesu am Jordan wird durch neu gefundene byzantinische Mosaike bestätigt. Bis 1994 war die Gegend beiderseits des Jordan vermint und militärisches Sperrgebiet, das erklärt auch die Nervosität des Grenzsoldaten.

Was haben wir gefunden? Am beigefügten Foto sieht man einen Bogen in der Abendsonne. Die Bodenmosaiken aus dem 5. Jhd. (byzantinische Zeit) sind durch Holzplanken geschützt. Im Jahr 2002, bei einer zweiten Pfarrreise sind wir mit der Gruppe dorthin gekommen. Der Platz war schon weitläufig als Pilgerstätte ausgebaut, sogar der jordanische Tourismusminister war gerade anwesend. Inzwischen ist an diesem Ort ein reges Pilgerleben zu verzeichnen.

Warum war uns dieser Ort so wichtig? Der Platz, der jetzt in Jordanien liegt, ist möglicherweise die Stelle, an der Jesus getauft wurde. Die Taufe Jesu ist die erste Begebenheit, die wir im historischen Sinn aus dem Leben Jesu wissen. Von ihr erzählen alle vier Evangelien.

Johannes der Täufer war davon überzeugt, dass das Zeitliche nur mehr kurz dauert. Dann bricht das Gericht Gottes herein. Darum hat er einen neuen Ritus geschaffen, eine Taufe der Umkehr, hin zum Glauben an die Vergebung der Sünden (Mk 1,4).

Viele Leute haben sich von Johannes und seiner Taufe ansprechen lassen. Einer von ihnen heißt Jesus. Er ist aus Nazareth aus Galiläa gekommen, von Beruf war er Bauhandwerker, etwa 33 bis 35 Jahre alt. Als Bauhandwerker war man gewohnt, hart zu arbeiten mit den Fertigkeiten eines Maurers, Wagners, Tischlers, Zimmerers und Spezialisten für Steinbearbeitung. Sicher hatte Jesus sehr viel Lebenserfahrung gehabt, nicht zuletzt durch den Kontakt mit den Menschen, die von überall her auf den Baustellen gearbeitet haben, und auch durch den Kontakt mit der lokalen Bevölkerung.

Die Taufe gilt als großes Berufungserlebnis Jesu. Jesus steigt aus dem Wasser des Jordan heraus und hat eine unmittelbare Gotteserfahrung. Er sieht die Himmel sich spalten und den Geist wie eine Taube auf ihn herabsteigen. "Und eine Stimme entstand aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden (Mk 1,11)". Die Taube steht vermutlich symbolisch für die Liebe Gottes. Und von der Liebe Gottes fühlt sich Jesus getragen.

Als zweites Foto fügen wir ein Mosaik aus dem Baptisterium der Arianer in Ravenna an. Die Taufkapelle stammt aus dem 5. Jhd., also aus derselben Zeit wie das Bodenmosaik an der jordanischen Taufstelle. Im Zentrum des Kuppelmosaiks ist Jesus. Er steht im Jordan. Der Flussgott Jordan mit Krebsscheren am Kopf sitzt links von Jesus. An seiner rechten Seite ist eine Vase, aus der das Wasser des Jordan herausfließt. In der rechten Hand hält er eine Schilfpflanze, die linke Hand ist erhoben. Johannes, erkennbar an seinem rauen Gewand, legt Jesus die rechte Hand auf den Kopf. Die Taube - Symbol der Liebe Gottes - schwebt über dem Kopf Jesu. Das Wasser zur Taufe fließt aus ihrem Schnabel.

Eine gute erste Woche im Jahreskreis wünschen

Ingrid und Peter

stpaul.at/UbD
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