Fünfter Sonntag der Osterzeit

Am 10. Mai 2020 feiern wir den 5. Sonntag der Osterzeit. Es ist auch Muttertag. Wir danken von Herzen allen Müttern und allen mütterlichen Menschen, die Geborgenheit, Zuwendung und Verständnis schenken. Ihre Herzenswärme ist ein großer Schatz für die Gesellschaft.

Mit diesem Mail beenden wir auch unsere Serie zu den Sonntagen der Osterzeit, denn wir dürfen bald wieder miteinander Gottesdienst feiern.

Die ersten Termine:
Samstag, 16. Mai um 19:00 Uhr: WortGottesFeier
Sonntag, 17. Mai um 09:30 Uhr: Pfarrgottesdienst

Die Pfarrnachrichten für den Zeitraum 16. Mai bis 7. Juni 2020 liegen in der Kirche - Ihr findet sie auch im Anhang des Mails. In den Schaukästen sind die Plakate mit den Terminen angebracht, auf der Homepage sind die Termine bereits vermerkt, soweit sie derzeit planbar sind.

Die Regeln sind bekannt, die Verwendung von Nasenmundschutz ist verpflichtend. Wir haben in der Kirche bereits die Sessel mit einem kleinen Zetterl markiert, auf denen unter Einhaltung des Abstandes jemand sitzen darf. Vor jedem Gottesdienst werden Sitzauflagen aufgelegt, damit man schnell sehen kann, wo Platz ist.

Übrigens: Ein Lautsprecher für den Hof des Pfarrzentrums steht bereit, bei Schönwetter kann man - selbst wenn die erlaubten Plätze in der Kirche ausgelastet sind - den Sonntagsgottesdienst im Hof mitfeiern.

Mit dem Kommentar zum Sonntagsevangelium schicken wir auch ein "Lied zum Sonntag" mit. Wegen des Muttertags ist es ein Marienlied - Melodie aus dem 14. Jhdt.

Das Sonntagsevangelium Johannes 14,1-14 versteht man besser, wenn man den Zusammenhang auch mitliest (Joh 13,31-14,31) und wenn man bedenkt, dass im Kapitel 13 erzählt wird, dass Jesus seinen Schülern die Füße wäscht.

Der von den Liturgen ausgewählte Abschnitt Joh 14,1-14 beginnt mit dem Trostwort: "Euer Herz werde nicht erregt; vertraut auf Gott und vertraut auf mich!".

Wir finden diesen Satz auch für unsere Tage sehr passend. In den Gesprächen mit den Leuten, die wir treffen, gibt es Menschen voller Angst vor einer neuerlichen Infektionswelle. Andere sind recht zuversichtlich - manche auch sorglos -, es gibt kaum ein Gespräch, bei dem die Corona-Pandemie nicht Thema ist.

Was hat die Schüler Jesu so erschreckt, dass sie Jesu Trostwort brauchten? Der Evangelist Johannes führt uns zurück in die Zeit Jesu. Jesu bevorstehender Tod lässt sie völlig ohnmächtig und verschreckt sein. Der Evangelist Johannes bedenkt immer auch die Situation seiner Gemeinden um 100 nach Chr. mit. Es sind kleine Gemeinschaften in einer Gesellschaft, die mehrheitlich nicht jüdisch-christlich ist. Die Mitglieder der Gemeinden fühlen sich verachtet und an den Rand gedrängt.

Was bleibt von uns - und was bleibt uns? Ein wichtiges Wort in diesem Zusammenhang ist "Bleiben". In den meisten deutschen Übersetzungen wird es mit "Wohnungen" übersetzt. Aber wörtlich heißt es im Text: "Im Haus meines Vaters sind viele Bleiben."

Was bleibt über die Zeiten hin? Jesus spricht nicht von Kunst- und Kulturleistungen der Menschheit, die ja durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder verschwunden sind, sondern von der Hausgemeinschaft Gottes, von einem Ort der Geborgenheit. Es ist ein unangreifbarer Zufluchtsort.

Es gibt die Gegenwart. Für die Schüler Jesu bedeutet sie "in der Nachfolge Jesu zu leben". Das Ziel ist, dass alle dort sind, wo Jesus ist, und das ist bei Gott, dem Vater.

Das Bleiben aber bedeutet, einen bestimmten Weg zu gehen. Die Frage ist nicht: "Was oder wo ist der Weg?" sondern: "Wer ist der Weg?"

Das Johannesevangelium verkündet in einer sehr spirituellen Weise den Glauben an Jesus Christus. Der Satz Jesu "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist das theologische Zentrum dieses Bibetextes. Man merkt, es geht um die Beziehung. Unser Freund Erich Jell weist uns immer wieder darauf hin, dass dieser Satz - noch stärker als das im Deutschen möglich ist - im griechischen Urtext eine "Ich-Aussage" ist. Das Ich ist doppelt betont. "ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben".

"Weg, Wahrheit und Leben" gibt es nicht an sich, sondern in der Beziehung - im Bereich des Glaubens in der Christus- und Gottesbeziehung. Hier liegt der Unterschied zwischen einer Ideologie und dem Glauben. Die Ideologie hat ein Lehrgebäude aus Wahrheiten. Sie will die Menschen zur Annahme ihrer Gedankengebäude zwingen. Jesus Christus aber lädt ein, an ihm zu sehen, wie der Weg gelingenden Lebens geht, und wie man zu dem findet, was bleibt. Zugrunde liegt eine persönliche Begegnung, nicht ein Gedankengebäude.

Nicht mehr in diesem Abschnitt des Sonntagsevangeliums, sondern einige Verse später (Joh 14,23) kommt das Bild vom "Bleiben" in einer atemberaubend ungewohnten Weise vor: "Wir - gemeint ist Gott und Jesus - werden in denen bleiben, die ihn lieben und sein Wort festhalten". Am Ende des Weges werden wir in der Hausgemeinschaft Gottes sein, und jetzt auf unserem Weg nimmt Gott bei uns seine "Bleibe", seine Wohnung. Wir sprechen oft von der Kirche als Haus Gottes. Das Johannes-Evangelium ist überzeugt davon, dass wir zu einer Wohnung Gottes werden, wir, die wir Jesus zu verstehen suchen und entschlossen sind, sein Wort aufzunehmen.

Viele liebe Grüße und eine gute 5. Osterwoche wünschen - in der Vorfreude auf ein Wiedersehen -

Ingrid und Peter

Im Anhang:

stpaul.at/YXa
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