Sonntag, 7. Februar 2021
5. Sonntag im Jahreskreis (B)

Das Evangelium vom Sonntag, 7. 2. (Markusevangelium Kapitel 1, Verse 29 bis 39) erzählt, dass Jesus am Sabbat in die Synagoge von Kafarnaum und auch in die Synagogen in ganz Galiläa geht und verkündet. Schwerpunkt des Abschnittes für diesen Sonntag ist es, dass Jesus heilt, und dass er betet. Die Not der Menschen ist groß, Jesus kann sich gar nicht richtig zurückziehen.

Die Verse am Beginn des Sonntagsevangeliums handeln von der Heilung der Schwiegermutter des Petrus.

Simon Petrus und sein Bruder Andreas und ihre Familien wohnen in Kafarnaum (übersetzt: Dorf des Nahum). Mit Hilfe sorgfältiger Ausgrabungen um 1970 hat man den Ort gefunden, an dem das Haus des Petrus gestanden ist. Die Entdeckung hat damals in der Fachwelt große Begeisterung hervorgerufen. An diesem Platz hat die kleine Szene stattgefunden, die erzählt wird:

Nach dem Synagogengottesdienst kommt Jesus mit Jakobus und Johannes in das Haus des Simon Petrus und Andreas. Simon Petrus war verheiratet und automatisch wurde erwartet, dass die Frauen die Bewirtung der Gäste übernahmen. Aber die Schwiegermutter des Petrus lag fiebernd da.

Oft hat man überlegt, warum wohl die Schwiegermutter Fieber hatte.

TiefenpsychologInnen deuteten es so, dass das Fieber vielleicht damit zusammenhängen könnte, dass das Leben der Familie aus dem Trott gekommen ist. Jesus, der Wanderprediger, hat sich in Kafarnaum niedergelassen. Er hat gleich zwei Familienmitglieder, Simon Petrus und Andreas, in seinen Freundeskreis gerufen. Dazu die Mitteilhaber ihrer kleinen Fischereifirma, nämlich die Brüder Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter, die Verantwortliche im Haus, sorgt sich um die Familie und um den Familienbetrieb. Wird sie krank, weil unsicher ist, welche Veränderungen sich aus der Freundschaft mit Jesus für die ganze Familie ergeben?

Man kennt den Grund für das Fieber natürlich nicht. Aber es sind interessante Gedanken. Jesus übersieht die Besorgnis der vier Männer (die anderen Frauen des Hauses werden nicht erwähnt) um die kranke Schwiegermutter nicht. Er tut etwas. Er geht zu ihr, ergreift ihre Hand und richtet sie auf. Sehr schlicht wird diese Szene geschildert: Zu ihr gehen - Hand ergreifen - aufrichten. Er richtet sie auf, das ist dasselbe Wort, mit dem der Evangelist später von der Auferweckung des Jesus berichtet. Es ist ein Ostern, das Jesus da schenkt.

Und es heißt im Bibeltext von der Schwiegermutter: " ... und das Fieber verließ sie und sie diente ihnen".

Die Hand Jesu, die sie aufrichtet, hilft ihr, wieder ihren Platz mit den dazugehörigen Aufgaben einzunehmen. Wir deuten es so, dass die Hand Jesu, die sie hält und aufrichtet, ihr Mut macht, aufzustehen und die Veränderungen, die diese Schülergemeinschaft rund um Jesus in ihr Leben bringt, als belebend wahrzunehmen. Die Schwiegermutter erfährt Heilung und, so heißt es abschließend in dieser Szene, "sie diente ihnen".

" ... sie diente ihnen": Aha, jetzt ist alles wieder beim alten. Die Frau funktioniert wieder - so wie es sich gehört. Sie bedient die Männer, sie ist wieder in ihrem Element, sie entspricht wieder ihrer Rolle.

Aber das ist eine zu einfache Spur. Der Evangelist Markus stellt öfter Begebenheiten mit Männern und Frauen zusammen. Hier wird zuerst ein Mann geheilt (siehe das Evangelium des vorigen Sonntags) und jetzt eine Frau.

Und zum Wort dienen ("Sie diente ihnen"): Dienst ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Zu unserem Leben gehört das Dasein für andere, das Dienen. Niemand verwirklicht sich selber, indem er immer nur auf sich selber schaut. Das Miteinander und das Füreinander-Sorgen sind wichtig, gerade jetzt.

Fotos:

Bild 1: Über dem Haus des Petrus in Kafarnaum am See Gennesaret wurde in den 1980-er Jahren auf Stützen eine flache Kirche errichtet und der franziskanischen Kustodie des Heiligen Landes unterstellt. Es ist eine moderne oktogonale Kirche. Diese spiegelt den Grundriss der darunterliegenden, kleinen byzantinischen Kirche wider, die auch achteckig war.

Durch den gläsernen Boden der modernen Kirche hindurch sieht man die Grundmauern der byzantinischen Kirche des 5. Jhds. Diese wiederum wurde auf den Grundmauern einer sehr frühen Kapelle des 1. Jhds. nach Chr. errichtet.

Bild 2: In der St. Petri-Kirche in Rostock, einer dreischiffigen, gotischen Kirche, wurden nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1963 in die gotischen Bögen des Chores drei farbige Fenster eingebaut.

Der Entwurf stammt vom Rostocker Künstler Lothar Mannewitz, die Firma Lehmann aus Berlin-Weißensee hat die Fenster angefertigt und eingesetzt. Die einzelnen Felder der Fenster zeigen Ereignisse aus dem Leben des Petrus. Christus wird mit gelbem Heiligenschein mit Kreuz dargestellt, Petrus mit violettem und Johannes mit gelbem Heiligenschein.

Auf dem Foto im Anhang sehen wir die Szene des heutigen Evangeliums: Christus heilt die Schwiegermutter des Petrus. Die Schwiegermutter in blauem Gewand sitzt halb aufgerichtet auf einer Liege. Jesus in einem Gewand mit rot-orangen Farben fasst sie mit seiner rechten Hand an ihrer linken Schulter. Mit seiner linken Hand ergreift Jesus sie an ihrem ausgestreckten Arm.

Hinter der Schwiegermutter ist Petrus, kenntlich an seinem violetten Heiligenschein. Seine Hände sind erhoben, staunend, bittend, erwartend. Hinter Petrus ist Johannes, erkennbar am gelben Heiligenschein. Neben Johannes, und hinter Jesus stehend, zwei Frauen.

stpaul.at/L7K
Auf Twitter teilenAuf Facebook teilen