Vierter Sonntag der Osterzeit

am 4. Sonntag der Osterzeit, 3. Mai 2020, enthält das Evangelium die Symbole "Tür", "Schafe" und "Hirte".

"Ich bin die Tür", sagt Jesus. Hier im Evangelium ist Jesus die einzige Tür zu den Menschen. Das zu betonen war besonders wichtig in der Zeit, in der das Johannes-Evangelium geschrieben wurde, ungefähr um 100 nach Christus. Die christlichen Gemeinden hatten Schwierigkeiten, weil immer wieder Leute mit dem Anspruch eines Messias aufgetreten sind. Das hat die Gemeinden oft ziemlich durcheinander gebracht. Und so hat man umso deutlicher auf Jesus als den Heilsbringer hingewiesen, um sich von Bewegungen abzugrenzen, mit denen man nichts zu tun haben wollte. Jesus allein ist die Tür. Das ist die Verkündigung des Johannes-Evangeliums.

Türen sind einladend oder wirken abweisend. Jede Tür hat zwei Seiten, eine innen und eine außen. In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen und Quarantäne-Maßnahmen waren so manche Türen verschlossen, durch die man gern gegangen wäre: Um jemanden zu besuchen, Enkel oder Eltern oder ältere Verwandte oder liebe Menschen, nach denen man sich sehnt. Jetzt gehen schön langsam die Türen wieder auf, auch die Türen der Geschäfte, der Schulen, der Restaurants, der Wirtschaftsbetriebe.

Trotzdem bleibt ein gewisses mulmiges Gefühl, ob es nicht neuerlich zu einer Steigerung der Infektionszahlen kommen würde.

Der Evangelist Johannes hat mit dem Bild von der Tür das Bild vom Hirten verknüpft. Wer durch die Tür hineingeht ist der Hirte, wer anderswo hineinsteigt, ist im Bild des Evangeliums Dieb und Räuber (Einbrecher). Dem geht es nicht um das Wohlergehen der ihm Anvertrauten. Diese gehen bei den falschen Hirten zugrunde. Einen Hirten zu haben, sich auf ihn verlassen zu können, ist ein uraltes Bild des Vertrauens.

Jesus spricht auch auf dem Hintergrund des berühmten Psalms 23, und auf dem Hintergrund des Kapitels 34 aus dem Prophetenbuch Ezechiel (vielleicht haben Sie / habt Ihr Zeit, es zu lesen). Der Prophet Ezechiel bringt scharfe Kritik an den führenden Persönlichkeiten des Volkes an, dass sie nicht nach der Herde gefragt und nur sich selbst geweidet hätten. Weil sie versagen, verspricht Gott, dass er selber die Schafe sammeln werde von überall her, wohin sie sich zerstreut haben, und dass er sich um die schwachen kümmern werde.

Wir machen uns heute auch Gedanken über die Hirten, die auf politischer Ebene Verantwortung tragen. Sie sind in dieser Zeit der Coronapandemie besonders gefordert. In verschiedenen Weltgegenden gibt es Führer, die sich Autorität mit Gewalt anmaßen und in großem Ausmaß Unrecht und Tod zu verantworten haben.

Möglicherweise kommt dem einen oder anderen das Bild vom Hirten altmodisch vor, aber es besteht die Notwendigkeit, dass Menschen Führungsaufgaben in guter Verantwortung übernehmen. In der einen oder anderen Situation sind auch wir füreinander wie ein "Guter Hirte" - eine "Gute Hirtin".

Eltern behüten ihre Kinder und begleiten sie auf gute Lebenswege. Lehrer und Lehrerinnen kümmern sich um die Bildung der Kinder, aber auch um das Hineinwachsen in eine Gemeinschaft. Menschen in medizinischen und sozialen Berufen haben in dieser Zeit außerordentlich viel getan, um Schaden abzuwenden. Menschen in wirtschaftlichen Branchen und im Handel suchen nach Möglichkeiten, wie möglichst schnell die finanzielle Basis der Menschen wieder gesichert wird. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen forschen nach Kräften zugunsten der Menschheit. Und so gibt es viele Beispiele. Viele bleiben mit ihren wichtigen und hilfreichen Arbeiten im Hintergrund. Vielleicht können wir in unserem persönlichen Umfeld auf sie aufmerksam werden und ihnen ein Dankeschön zusprechen.

In den christlichen Kirchen gibt es den Hirtendienst. Es ist auch ein Auftrag, aneinander so zu handeln, wie es Christus entspricht. Jeder und jede von uns, wir alle können füreinander Hirte und Hirtin sein. Denn die Gemeinde hat den Auftrag, einerseits Hirte zu sein, andererseits die Tür zu sein, ein Zugang zur Gemeinschaft in Christus.

Zum Abschluss

Ab 15. Mai dürfen wieder Gottesdienste in größerer Gemeinschaft in den Kirchen gefeiert werden - die Vorschriften der Regierung sind bekannt, die Regeln der Erzdiözese werden bald eintreffen.

Am Beginn der nächsten Woche werden Pfarrnachrichten für den Zeitraum 16. Mai bis 7. Juni 2020 gedruckt, sie werden in unserer Kirche aufliegen, per Mail gesendet, als Plakate in den Schaukästen angebracht.

Auf unserer Homepage sind die Termine bereits vermerkt, zumindest soweit derzeit die Planungen möglich sind. Änderungen werden auf der Homepage bekannt gemacht. An drei Mittwochvormittagen wird es einen "Gottesdienst in der Wochenmitte" geben - 27. Mai, 3. Juni und 17. Juni - jeweils um 09:30 Uhr. Vielleicht haben manche Zeit, die sonst den Sonntagsgottesdienst mitfeiern würden.

Übrigens: Bei Schönwetter kann man den Sonntagsgottesdienst im Hof des Pfarrzentrums mitfeiern. Demnächst wird es dort einen Lautsprecher geben.

Die ersten Termine:
Samstag, 16. Mai um 19:00 Uhr: WortGottesFeier
Sonntag, 17. Mai um 09:30 Uhr: Pfarrgottesdienst

Viele liebe Grüße und eine gute 4. Osterwoche wünschen

Ingrid und Peter

stpaul.at/CcP
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