2. Adventsonntag, 6. Dezember 2020

Das Evangelium des heutigen Sonntags, Mk 1,1-8, stellt uns Johannes den Täufer vor. Er wird als Asket beschrieben, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt und auch, was seine Kleidung betrifft, bedürfnislos ist. Bekleidet ist er mit einem Kamelhaar-Gewebe, zusammengehalten von einem ledernen Gürtel um die Hüfte. Seit es bildliche Darstellungen gibt, ist Johannes auf Statuen und Bildern deshalb auch leicht zu erkennen. Meist hat er auch noch lange, wilde Haare. Sehr oft wird auf Kunstwerken, in der Musik beispielsweise in einer Oper, die Enthauptung zum Thema gemacht. Herodes Antipas hat Johannes auf der Festung Machärus am Ostufer des Toten Meeres hinrichten lassen.

Johannes wird als Täufer bezeichnet, weil er am Jordan gepredigt und getauft hat. Ein möglicher historischer Ort liegt im Jordantal auf der Seite des heutigen Jordanien.

Johannes verkündete eine "Taufe der Umkehr zum Erlass von Sünden" - so heißt es wörtlich. Sünde bedeutet in der Bibel, aus der Beziehung zu Gott herauszufallen, indem man einen Lebensweg geht, der einen selber oder jemand anderen schädigt, die Gemeinschaft schwächt, das Vertrauen stört und missbraucht. Die Taufe war das Zeichen, dass jemand die Umkehr vollziehen will.

Was war das Besondere?

Johannes der Täufer ist davon überzeugt, dass das Reich Gottes bald anbrechen wird, daher darf man die Umkehr nicht versäumen. Man soll in Frieden sein - hebräisch "schalom" - mit Gott, mit sich und den Mitmenschen. Umkehr-Riten wurden im Tempel in Jerusalem vollzogen, aber Johannes hat sich davon gelöst und einen ganz eigenen Ritus geschaffen, an einem anderen als dem gewohnten Ort.

Mit seiner ganzen Art wirkte Johannes sehr authentisch und seiner Predigt zur Umkehr sind - den Evangelisten zufolge - viele Menschen gefolgt.

Der Täufer hatte eigene Schülergruppen, die es bis ungefähr 100 nach Chr. gab. Auch der Bauhandwerker Jesus aus Nazareth war eine Zeit lang unter den Johannesschülern. Bei der Taufe durch Johannes hatte er seine besondere Gotteserfahrung gemacht.

Die Evangelisten zeichnen Johannes den Täufer als Wegbereiter und ordnen ihn Jesus unter. Sie sind sich darin einig, dass Johannes von Gott dazu berufen war, den Weg zu Gott zu bereiten. Darum zitieren sie auch Sätze aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes 40,3-4).

Jes 403Eine Stimme ruft:
In der Wüste bahnt den Weg des Herrn,
ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott!
4Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Wege zu bauen war in der Antike sehr aufwändig. Das römische Reich war für sein gutes Straßennetz berühmt. Handel und Nachrichtenwesen konnten dadurch besser funktionieren. Kriegs- und Unterdrückungsmaschinerien kamen schnell überall hin, auch große Truppenbewegungen samt Nachschub waren so möglich. Allerdings haben der Prophet Jesaja und Johannes der Täufer das Bild in einem anderen Sinn verwendet. Es geht darum, Wege zu bereiten, die einen zu Gott führen. Die Erdbewegungen, die dafür gefordert sind, sind in einem übertragenen Sinn zu verstehen und zu deuten. Vielleicht können wir im heurigen Advent, in dem wir vieles nicht dürfen, die Zugänge von Gott zu uns und von uns zu Gott besser freischaufeln als in Jahren, in denen uns der Advent mit seiner Betriebsamkeit beschäftigt?

Wir freuen uns, dass wir ab 8. Dezember wieder Gottesdienste feiern dürfen - Termine und Zeiten siehe Homepage - und wünschen Ihnen /Euch / Dir einen guten zweiten Adventsonntag!

Ingrid Leitner,
Peter Hausberger

In den Anhang geben wir ein Foto von einem ganz besonderen Ort:

In der romanischen Johannes-Kirche in Müstair in der Schweiz, knapp nach der Grenze zu Südtirol, sind grandiose karolingische und romanische Fresken erhalten. Ein romanisches Fresko (um 1200) in der Mittelapsis zeigt Herodes (gemeint ist Herodes Antipas), bei dem die tanzende Salome bzw. ihre Mutter die Enthauptung des Johannes erreicht.

Im sehr eindrücklichen Roman von Constance Hotz kommt dem Fresko mit Herodes, Salome und Johannes dem Täufer eine wichtige Rolle zu:

Constanze Hotz, Vier Tage im März. Roman. Erstmals erschienen im Montabella Verlag, St. Moritz 2007.

Heiliger Nikolaus

Nikolaus von Myra ist einer der bekanntesten Heiligen der Christenheit. Sein Gedenktag ist der 6. Dezember.

Was weiß man vom heiligen Nikolaus?

Geboren ist Nikolaus zwischen 270 und 280 in Patara in Lykien, in der heutigen Türkei, in der Provinz Antalya.
Todestag: 6. Dezember - in der Mitte des 4. Jhd.
Bischof Nikolaus: Nikolaus war in der ersten Hälfte des 4. Jhds. Bischof von Myra. Der Ort heißt heute Demre und liegt ungefähr 100 km südwestlich der Stadt Antalya.

Damals war Myra Teil des römischen, später des byzantinischen Reiches. Über das Leben des Nikolaus gibt es nur wenig überprüfbare Fakten. Wahrscheinlich war er Teilnehmer des Konzils von Nizäa (325). Berichte über sein Leben stammen aus späteren Zeiten.

Seine Grabstätte in der St.-Nikolaus-Kirche Myra wurde zu einem Wallfahrtsort.

Vor der Eroberung durch seldschukische Truppen raubten 1087 süditalienische Kaufleute die Reliquien und brachten sie nach Bari in Apulien, Süditalien. Dort wurde eigens dafür die romanische Basilika San Nicola errichtet.

Mit der Übertragung der Gebeine nach Bari entstand eine gesamteuropäische Nikolausverehrung. Viele Kirchen sind dem hl. Nikolaus geweiht, in der Erzdiözese Salzburg sind es 21. In den Gebirgsgegenden wurde er vor allem als Patron im Bergbau verehrt. Aber er gilt unter anderem auch als Patron der Seefahrer, darum gibt es in fast allen Hansestädten im Norden Deutschlands eine Nikolauskirche oder Nikolaikirche. Auf unserer Pfarrreise in die Region der Backsteingotik haben wir einige davon besucht.

Welches Kennzeichen wird den Nikolausstatuen zugewiesen?

Das wird deutlich an diesem Foto. Es stammt aus der gotischen St.-Nikolaus-Kapelle in Taufers im Münstertal in Südtirol. Die Statue des hl. Nikolaus steht am Altar neben der Marienstatue im Zentrum. Nikolaus ist so wie fast immer erkennbar an der bischöflichen Kleidung (Mitra, Bischofsgewand, Stab) und dem Buch mit drei Kugeln darauf. Die Kugeln erinnern an die Legende, dass Nikolaus drei junge Frauen in seiner Heimatstadt vor der Prostitution bewahrte, indem er heimlich Geld durchs Fenster warf und so für eine ausreichende Mitgift sorgte.

Legenden: Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten, oft auch als Lebensretter. Über ihn werden viele Legenden erzählt. Eine der bekanntesten Legenden ist folgende (zitiert nach Ulrike Kammerhofer-Aggermann):

Während einer Hungersnot in Lykien erschien Nikolaus einem Kaufmann in Andriaki bei Myra, der seine Getreideschiffe nach Spanien auslaufen lassen wollte.

Nikolaus bewog ihn, das Korn nach Myra zu bringen. Als Pfand und Zeichen legte er ihm drei Goldstücke in die Hand.

Eine weitere Legende berichtet von einer Hungersnot in Kleinasien:

Ein Getreideschiff, auf dem Weg von Alexandrien nach Konstantinopel, machte Station in Myra.

Nikolaus verhandelte mit dem Kapitän um das Getreide, das der Kapitän nicht verkaufen wollte. Über Zutun des Heiligen konnten drei Getreidesäcke für Myra gekauft werden, die ausreichten, um die ganze Bevölkerung zu ernähren und eine neue Saat auszulegen.

Bei der Ankunft des Schiffes in Konstantinopel fehlte kein einziger Sack.

Beide Legenden zeigen Nikolaus als einen Mann, der Fülle bringt.

Interessant ist vielleicht auch die Aufzählung der Kirchen in der Erzdiözese Salzburg (ohne Gewähr):

Im Raume der Erzdiözese Salzburg sind oder waren folgende Kirchen dem heiligen Nikolaus geweiht: Dienten (1410), Dorfbeuern (788), Felben bei Mittersill, Göriach bei Tamsweg, Hinterthiersee / Tirol (14. Jahrhundert), Holzhausen bei St. Georgen an der Salzach, Neumarkt am Wallersee (1389), Filialkirche St. Nikola in der Torren bei Golling (1444), Pfarrkirche Oberndorf bei Salzburg, Ehemalige Kirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg (1120 gestiftet bzw. 1160 geweiht), Ehemalige Nikolaikirche in Salzburg (heute Kaigasse Nr. 20), Pfarrkirche Saalbach (1410), Voldöpp in Tirol (1266), Wald im Pinzgau (1469), Waldprechting bei Seekirchen, Nikolauskapelle in Buchberg bei Ebbs, Westendorf (1408), Waidring, Pfarrkirche Wald im Pinzgau, St. Nikolaus in der Weitau (St. Johann in Tirol). Im Rupertigau: Filialkirche St. Nikolaus in Straß (Pfarre Ainring). Auch die heutige Filial- und einstige Pfarrkirche in Bad Gastein (fertiggestellt 1389, urkundlich erwähnt 1412) ist dem Heiligen geweiht und zeigt ihn am barocken Hochaltarbild.

stpaul.at/T6P
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