Sonntag, 17. Jänner 2021
2. Sonntag im Jahreskreis
Tag des Judentums

Seit dem Jahr 2000 wird der 17. Jänner als Tag des Judentums begangen. Damit soll stärker ins Bewusstsein kommen, dass die Wurzeln des Christentums im Judentum liegen. Heuer werden die Veranstaltungen zum Tag des Judentums online durchgeführt. Hinweise dazu findet man auf religion.orf.at

Jesus ist als Jude geboren, am 8. Tag beschnitten worden, er hat als gläubiger Jude gelebt und ist als Jude am 7. April 30 den grausamen Tod am Kreuz gestorben. Die ersten Christinnen und Christen waren Juden und Jüdinnen. Die Evangelien verwenden die Denkmuster, Bilder und Symbole aus der Kultur- und Glaubenswelt der Bücher des Alten Testaments und des hellenistischen Judentums seit dem 3. Jahrhundert vor Christus.

Auch das Evangelium des zweiten Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr B - 17.01.2021) versteht man nur, wenn man das Symbol "Lamm Gottes" von den alttestamentlichen Schriften her deutet.

Im Evangelium dieses Sonntags aus dem ersten Kapitel des Johannesevangeliums (um 100 nach Christus entstanden) verwendet der Verfasser des Johannes-Evangeliums viele Signalworte, die sich durch die 21 Kapitel des Johannesevangeliums durchziehen und immer eine tiefere Bedeutung haben, als es zunächst scheint.

135Am folgenden Tag stand Johannes wieder da
und zwei von seinen Schülern.
36Und auf Jesus hinblickend, der umherging, sagt er:
Siehe, das Lamm Gottes!
37Und es hörten die zwei Schüler ihn reden, und sie folgten Jesus.
38Als aber Jesus sich wandte und sie folgen sah, sagt er zu ihnen:
Was sucht ihr?
Sie sprachen zu ihm:
Rabbi - was übersetzt "Lehrer" heißt - wo bleibst du?
39Er sagt zu ihnen:
Kommt, und ihr werdet sehen.
Sie kamen nun und sahen, wo er bleibt, und sie blieben bei ihm jenen Tag.
Es war um die zehnte Stunde.
40Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer von den beiden,
die durch Johannes gehört hatten und ihm gefolgt waren.
41Dieser findet zuerst Simon, seinen eigenen Bruder,
und sagt zu ihm:
Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt "Christus" bedeutet.
42Er führte ihn zu Jesus.
Jesus blickte ihn an und sprach:
Du bist Simon, der Sohn des Johannes.
Du wirst Kephas - übersetzt "Petrus" - gerufen werden.

Für die folgende Deutung der Bibelstelle haben wir als Kommentar verwendet: Klaus Wengst, Das Johannesevangelium. 1. Teilband: Kapitel 1-10, Stuttgart 2000, Seiten 84-90

Einer der beiden Schüler des Täufers, die Jesus nachfolgen, bleibt unbenannt, der andere wird mit Namen genannt, es ist Andreas. Er trägt einen griechischen Namen und wird als Bruder des Simon Petrus vorgestellt.

Andreas ist also der erste Jesus-Schüler, er findet seinen Bruder und legt ein großes Glaubensbekenntnis ab. "Wir haben den Messias gefunden". Nicht Petrus ist hier derjenige, der vorangeht, nicht er spricht als erster ein Glaubensbekenntnis.

Bibelwissenschaftler meinen, dass diese Besonderheit damit zusammenhängen könnte, dass - wie auch an anderen Stellen - der Autor des Johannes-Evangelium eine geschwisterliche Glaubensgemeinschaft beschreibt, ohne Überordnung und Unterordnung, also ohne Hierarchien.

Suchen und Finden - das sind entscheidende Worte im Johannes-Evangelium. Deshalb lässt der Autor das erste Wort Jesu eine Frage sein: "Was sucht ihr?" (Vers 38)

Als Gegenfrage antworten die beiden Angesprochenen, die hinter Jesus hergegangen waren, also Jesus gefolgt waren: "Wo bleibst Du?"

Jesu Antwort ist: "Kommt, und ihr werdet sehen!"

Mit Reden allein sind lebensentscheidende Fragen nicht zu beantworten. Glaube - und auch der Weg zum Glauben - braucht Erfahrung und Zeit. "Kommt, und ihr werdet sehen!" ist ein Beziehungsangebot.

Die Schüler Jesu sahen, wo er bleibt. Schüler bleiben beim Lehrer in einer Lehr- und Lebensschule. Die Schule Jesu führt in eine Gemeinschaft, in eine Gemeinde (Klaus Wengst im Kommentar: Das Johannesevangelium, Seite 87).

"Bleiben" ist ein wichtiger Begriff im Johannes-Evangelium. Unter anderem: Der Beistand (der Heilige Geist) bleibt bei denen, die an Jesus glauben (Joh 14,16). Der Geist bleibt nach seiner Taufe auf Jesus (Joh 1,33). "... der bleibt in mir und ich in ihm ..." (Joh 6,56) so heißt es in der sogenannten Eucharistischen Rede im Johannesevangelium.

Der Begriff aber, der in der Tradition am meisten Spuren hinterlassen hat, ist der Satz des Täufers, als er Jesus kommen sieht: "Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt!" (Vers 29), und dann: "Siehe, das Lamm Gottes!" (Vers 36).

Hier wird mit dem biblischen Motiv, vor allem aus dem vierten Gottesknechtslied (Jesaja 53), die Glaubensaussage getroffen, dass Jesus das endzeitliche Pessachlamm (Osterlamm) ist. Verurteilung und Hinrichtung Jesu legt der Evangelist auf die Zeit der Schlachtung der Pessachlämmer. Vom ersten Auftreten Jesu bis zu seinem Tod wird mit dem Wort "Lamm" also der Bogen gespannt.

Das "Lamm Gottes" kommt in jeder Messfeier vor - wir singen den "Lamm-Gottes-Ruf" zum Brechen des eucharistischen Brotes.

Dieses Motiv ist in der Kunstgeschichte oft dargestellt worden. Dazu haben wir zwei Fotos ausgewählt:

1) Teil der Predella eines gotischen Altars, ausgestellt in der Krypta im Dom "St. Peter und Paul" in Brandenburg an der Havel. Folgende Personen sind dargestellt:

Links Petrus mit dem Schlüssel, in der Mitte Maria mit dem Kind, rechts Johannes der Täufer. Johannes hat lange Haare und schaut ernsthaft und entschlossen aus. Unter dem roten Mantel sieht man das Kleid aus Kamelhaaren, seine rechte Hand ist an der linken Schulter. Zwei Finger dieser Hand weisen auf das zierliche Lamm, das auf einem prächtigen Buch in grünem Einband aufliegt, der linke Vorderfuß greift über den Rand des Einbands, beim rechten Vorderfuß ist die österliche Siegesfahne eingesteckt.

2) Fresko aus dem 14. Jahrhundert in der Jakobikirche in Lübeck:

Johannes der Täufer hält in seiner rechten Hand, die mit einem Tuch bedeckt ist, ein Medaillon. Auf dem Medaillon ist das Osterlamm dargestellt: Ein Kelch fängt das Blut auf, das aus der Brust des Lammes strömt. Hinter dem Kopf des Lammes ist ein Nimbus zu sehen, und über allem die österliche Siegesfahne. Der lange Zeigefinger der linken Hand von Johannes weist auf das Medaillon mit dem Lamm hin.

Ingrid und Peter

stpaul.at/xyf
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