Adventkranzsegnung 2020

Adventbeginn im Lockdown bedeutet, dass die geplanten und gewohnten Feiern zur Segnung der Adventkränze entfallen müssen.

Wenn Sie möchten, können Sie Ihren (beschrifteten) Adventkranz am Samstag, dem 28. November, zwischen 9:00 und 15:00 Uhr in die Kirche St. Paul legen. Die Adventkränze werden gesegnet und an einen gekennzeichneten Platz gelegt. Um 15:30 Uhr können Sie Ihren Kranz auf jeden Fall wieder holen. Das gleiche gilt für Sonntag, 29. November zwischen 9:30 und 11:00 Uhr.

1. Adventsonntag, 29. November 2020

Nur wenigen bringt der Lockdown Vorteile, Jeff Bezos, der Gründer von Amazon, wird seit einigen Tagen als der reichste Mann der Welt gelistet. Die meisten haben Schwierigkeiten, den Alltag zu meistern, bei vielen kommen wirtschaftliche Sorgen dazu. In einigen Berufen ist Stillstand, viele Menschen sind beruflich und in der Familie beansprucht bis zum Zusammenbrechen. Sich von lieben Menschen, die nicht im selben Haushalt wohnen, fernzuhalten, ist für manche ein großer Verzicht. Am schlimmsten trifft die Corona- Pandemie die Frauen und Männer, die in den Intensivstationen um ihr Leben kämpfen.

Der Adventbeginn fällt in eine Zeit, in der es dunkler und kälter wird. Gerade deswegen tun uns die Bräuche, die zum Advent gehören, die Düfte, die Gerüche so besonders gut.

Das Evangelium vom 1. Adventsonntag ist aus dem Teil des Markusevangeliums, der die Zeit vor dem bevorstehenden Weltende drastisch beschreibt. Man darf die Zeit nicht verschlafen, man muss wachsam sein. In der allerersten Zeit des christlichen Glaubens war die Auffassung weit verbreitet, dass das Ende dieser Welt bevorsteht - und zwar sehr bald. Christus wird kommen und das Reich Gottes in Gerechtigkeit aufrichten. Für diejenigen, die glauben - so der Evangelist - gibt es eine gute Wendung. Diese nahe Erwartung ist nicht eingetreten - zumindest nicht im kosmischen Sinn. In unseren Tagen beschäftigt sich der Advent mehr damit, wie wir uns auf Weihnachten vorbereiten.

Aus dem Evangelienabschnitt vom 1. Adventsonntag (Mk 13,24-37), in dem aufgerufen wird wachsam zu sein und bereit zu sein für den bald wiederkommenden Christus, haben wir oft den Vergleich mit dem Feigenbaum herausgenommen (die Verse 13,28 bis 29). Getrocknete Feigen sind im Advent sehr beliebt, sie werden ins Kletzenbrot eingebacken. Frische Feigen halten leider nicht lang, schmecken aber exzellent. Im Evangelium geht es allerdings um die Zweige, aus denen im Frühjahr die jungen Triebe herausspitzeln und die damit den Sommer ankündigen.

Was den Feigenbaum auszeichnet und warum er in den Bildern und Bildgeschichten immer wieder vorkommt, das ist, dass er im Jahreslauf Blätter bekommt und Blätter verliert. Mit großer Regelmäßigkeit treibt er zu einer gewissen Zeit im Frühjahr an den Spitzen der Zweige zarte Blätter aus. Das heißt, das Leben schiebt nach. Das Bild, dass der Baum im Winter die Blätter verliert, ist ein schmerzliches Bild, ein Bild von Verlust. Aber, so sagt Jesus: Darum geht es nicht. Es geht nicht um den Schmerz, nicht um den Verlust, sondern darum, dass der Baum neu austreibt. Um die Freude, dass im Jahreslauf und im Lebenslauf sich das Leben immer wieder durchsetzt.

Wir haben eine besondere Freude mit einem Feigenbaum. Weil unsere Winter milder wurden, haben wir es gewagt, einen kleinen Feigenbaum an die Hausmauer auszusetzen. Das hat er auch ein paar Mal gut ausgehalten, aber vor ein paar Jahren war es einmal so kalt, dass er erfroren ist. Zu unserer Überraschung hat er im sehr späten Frühling doch wieder ausgetrieben. Statt dem Baum haben wir allerdings seither einen Busch, der heuer riesig geworden ist und viele Feigen getragen hat. Dieses Zeichen der Lebenskraft tut uns gut.

Wir wünschen Ihnen - trotz aller Sorgen und Ängste - Zeichen des Lebens und Stunden der Freude.

Ingrid Leitner,
Peter Hausberger

stpaul.at/nhv
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